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Mit Katar hat sich ein winziger Wüstenstaat von 300000 Einwohnern die Fußball-WM bei der FIFA und ihren gierigen Heloten eingekauft. Ziel ist es, die durch seine Öl- und Gasvorkommen märchenhaft angehäuften Reichtümern in politische Macht zu verwandeln, um die Clan-Herrschaft des Al-Thani-Rackets international abzusichern. Die Langzeitstrategie „sportswashing“ ist dabei nur ein Instrument des Golfstaates, um Normalisierung vorzutäuschen und internationale Reputation zu erlangen, mit dem Ziel langfristig im „Konzert der Nationen“[1] mitzuspielen. Unverzichtbar ist Katar bereits als Öl- und Gaslieferant, als Anteilseigner der mächtigsten Konzerne, als Waffenkäufer, Verkehrshub, politischer Vermittler und Luxusoase. Hinter Katar steht die Herrschaft des Al-Thani-Clans. Dieser Clan verlässt sich nicht einfach darauf, seinem Herrschaftsbereich die Legitimation eines nur formalen Nationalstaates überzustreifen, denn das hat Kuwait einst auch nicht vor dem irakischen Eroberungsversuch bewahrt. Katar will sich in die Weltgemeinschaft möglichst glanzvoll integrieren, ein ganz normaler und unverzichtbarer Staat unter vielen werden, um sich die Unterstützung und Sicherheitsgarantien der Staatengemeinschaft zu sichern. Die Methoden, die Katar dafür benutzt - Bestechung, Erpressung, Absprache, Drohung, Täuschung und Lügen -, sind aus direkt aus dem Instrumentenkoffer eines ganz banalen Mafiarackets entnommen. Mit dem Eintritt in das „Konzert der Nationen“ durch die Propagandashow „Fußball-WM“ hat Katar aber vor allem eines bewiesen: Wenn mafiöse rücksichtlose Herrscherrackets es schaffen in die „große Familie der Nationen“ aufgenommen zu werden, dann hat diese große Familie selbst schon Charakter eines Rackets angenommen. Katar befindet sich damit nicht mehr in guter Gesellschaft, sondern ist inmitten der ehrenwerten Gesellschaft angekommen, unter deren Schutz es sich sicher aufgehoben fühlt.

Gianni Infantino, Präsident der FIFA, war sich schon vorher sicher: „Das wird die beste Fußball-WM aller Zeiten“. Damit hatte er vollkommen Recht, Katar war am Ziel seiner Träume angelangt und er selber war um einige Millionen und einen Wohnsitz in Katar reicher geworden. Aber nicht nur er profitierte, auch viele Prominente, die Katar vor seinen Goldkarren spannte, Söhne und Unternehmen sowie Staaten und Funktionäre wurden reich bedacht. Es gab Posten, Aufträge und gefüllte Bankkonten, für manche reichten auch zwei goldene Uhren. Wenn alle glücklich sind, worüber beschweren? Die Kritik war leise, die Rechtfertigungen eher schlapp. Erst kurz vor dem Turnier wurden Stimmen lauter, dass eine Fußball-WM vielleicht doch nicht an einen Staat vergeben werden sollte, der diese einfach einkauft und der Menschenrechte für Kulturimperialismus hält. Aber das war eingepreist. Die, die leer ausgingen, wollten wenigstens noch von der Moraldividende etwas abhaben. Gespielt wurde dann doch, sogar die „One-Love“ Armbinde musste in der Kabine bleiben, darauf bestand die FIFA; auch das Bier musste im Kühlschrank bleiben, darauf bestand wiederum das islamisch integre Herrscherhaus, trotz anderweitiger Zusagen an FIFA und Bierhersteller. Schönsaufen war nun auch keine Option mehr für die Fans vor Ort.

Früher, als man sich noch ein schlechtes Gewissen leistete und die Menschen hinter eisernen Vorhängen leben mussten, wurden sportliche Großereignisse auch des Öfteren an Länder vergeben, die nicht unbedingt demokratischen Ansprüchen genügten oder mit der Umsetzung von allgemeinen Menschenrechten Probleme hatten, wenn solche die Macht der Regierenden untergraben hätte. Reflexartig begründeten die Entscheider, wie Olympisches Komitee oder FIFA, ihre Wahl mit dem Hinweis, dass Sport verbindet und einen positiven Einfluss auf die humanitäre Entwicklung des Landes haben könnte, um Bestechung und Absprache zu kaschieren. Solche kleinen Notlügen, die immerhin noch eine gewisse Plausibilität besaßen, wenn man an China, Mexiko oder Südafrika denkt, sind mit der Vergabe der Fußball-WM an Katar passé, rückblickend muss man sagen, schon mit der Ausrichtung durch Russland vor vier Jahren, und werden zum Glück auch von keinem FIFA-Offiziellem mehr ernsthaft geäußert, außer vom notorischen Infantino, der mittlerweile den Antiimperialismus und Antikolonialismus als Argumente - ähnlich wie Putin - entdeckt hat, um Artenschutz für kriminelle Rackets einzufordern. Alle anderen haben es einfach nicht mehr nötig, zu lügen. Jeder weiß, dass Korruption, Absprache, Einschüchterung und Propaganda mittlerweile legitime Werkzeuge sind, und wer sie am besten einsetzt, gewinnt eben. Deal with it!

Dass Katar überhaupt Erfolg hatte, ein sportliches Großereignis wie die Fußball-WM in einem winzigen Wüstenstaat – man beachte, dass die nächste WM zusammen von den USA, Kanada und Mexico ausgetragen wird - im Winter auszurichten, hat sicherlich viel mit der korrupten FIFA zu tun, aber nicht nur. Gegen robusten politischen Widerstand wäre auch die FIFA eingeknickt. Die Rufe Katars wurden von der Weltgemeinschaft erhört; hier kommt jemand der unseresgleichen sein möchte, und dieser bringt viel Geld, Öl und Gas mit. Alan wa salan!

Katar – Märchenhafter Reichtum, Willkürherrschaft und selbstherrliche Sklavenhaltergesellschaft

Wenn man sich von der formalen und Legitimation erheischende politischen Fassade der Nation absieht, ist das, was als katarischer Staat auftritt, nichts anderes als ein familiengeführtes Racket mit Regierungsauftrag, welches sich eine zivilisatorische Transformation durch das Kapitalverhältnis ersparen konnte, weil es dazu viel zu spät auf der Weltbühne auftrat, und das Kapital zu diesem Zeitpunkt selbst schon seinen zivilisierenden Charakter verloren hatte. Die heutiger Herrschersippe Al-Thani entstammt einer Familie marodierender Beduinenstämme, die irgendwann beschloss, dass ihnen die Halbinsel Katar gehört, und dementsprechend andere Konkurrenten in ewigen Sippenstreitereien ausschalten musste. Da das karge Land zunächst nicht viel hergab, spezialisierte man sich neben Perlenfischerei auf Piraterie, was wiederum die Engländer auf den Plan rief. Dem Empire gefielen die durch Piraterie verursachten Verluste nicht, die die Gewinne durch die gewaltsame Ausweitung des Weltmarkts durch die Ostindische Kompanie schmälerten. Durch das Eingreifen der Briten, wurden auch die endlosen Kämpfe um die Vorherrschaft geschlichtet und die Herrschaft der Al-Thanis erstmals gefestigt. Bis die Osmanen auftauchten und Ansprüche anmeldeten, diesmal wurden die Briten gleich zur Hilfe gerufen, schließlich kannte man sich ja noch. Osmanen und Wahhabiten wurden vertrieben, aber die Briten blieben nun. Irgendwann zogen diese aber ab, erste Erdölförderungen ermöglichten ständige Einnahmen und man beschloss, aus dem Familienunternehmen einen unabhängigen Staat zu machen. Dann kam der noch größere Lottogewinn, die Entdeckung des größten Erdgasfeldes der Welt auf katarischem Gebiet. Begleitet von ein paar innerfamilären Coups durchlief Katar nun getrieben durch den neuen Reichtum einen Schnelldurchlauf Richtung Moderne. Die USA installierten den größten Armeestützpunkt des Nahen Ostens, damit Öl und Gas nicht versiegen, bspw. durch feindliche Übernahme durch den Irak oder Iran. Katar war auf der sicheren Seite der Geschichte angelangt.

Diese Modernisierung konnte aber keine mehr durch das Kapitalverhältnis sein. Alle zivilisatorischen Errungenschaften des materiellen Fortschritts durch dessen enorme Produktivkraftentwicklung wurden nur durch die Erlöse der Gas- und Ölrenten eingekauft. Die frühkapitalistische Dampfwalze des Fortschritts, die über alte bornierte Gesellschaftsformen des Stammes und Familienwesen hinwegfegte, die Etablierung vermittelter Herrschaft, Einführung des Parlamentarismus, die von Arbeitern erkämpften Rechte und die Tendenz zur formalen Verallgemeinerung des Rechts bis zu den Menschenrechten, freier Meinungsäußerung und Pressefreiheit, ließen Katar, wie so viele andere verspätete Nationen nicht nur wenig, sondern völlig unberührt, oder wurden höchstens als Scheininstitutionen zur Kaschierung unmittelbarer Gewalt und Herrschaft instrumentalisiert. Katar blieb was es immer war, eine autokratische Monarchie eines Stammesverbandes mit patriarchalen Familienstrukturen, Genderapartheit, arabischer Haussklaverei und dem dazu passenden islamischen Schia-Recht. Dieses Potpourri aus in den Schoss gefallenem Reichtum und dem naturwüchsigen Anspruch einer feudalen Herrenklasse mit Überlegenheitsgestus und ruchlosen Gemeinheiten gegenüber ihren Dienern - Ehefrauen, Haussklaven, Arbeitssklaven -, nutzen die Herren einerseits zu einer vita contemplativa - ohne freilich die antike Rechtfertigung, dass die Unterdrückung der einen, der Menschwerdung der anderen bedingt, einlösen zu können - und andererseits für den Popanz, besser: Narrativ, des Kulturrelativismus, den die islamischen Herrenmenschen, postmodern geschult, gegen Kritik in Stellung bringt: ‚das ist unsere Kultur, ihr habt eure, wir verbitten uns jegliche Einmischung‘.

Der Mix aus Willkürherrschaft und enormen Reichtum hat dazu geführt, dass knapp 300000 Kataris sich von 3 Millionen rechtlosen ausländischen Arbeitern bedienen lassen, entweder als Haussklaven oder innerhalb eines Heer von Arbeitern, die das Land mit Planstädten oder albernen Prestigebauten zupflastern, die so hässlich wie sinnlos sind, weil sie kaum, meist aber überhaupt nicht genutzt werden. Die Aporie des Kapitals, den historisch-spezifischen Reichtum zu steigern und die Gebrauchswerte dabei zu zerstören, ist nirgendwo so absurd vor sich gegangen wie in den Golfstaaten. Auch die Verwandlung der Menschen in die reduzierte Kreatur, die einerseits nur kreatürliche Bedürftigkeit ist und andererseits abstrakte, zur Naturkraft, reduzierte Arbeitskraft erreicht hier noch einmal völlig neue Dimension, indem die Bedürftigkeit der „Gastarbeiter“ auf das Niveau der Steinzeit gesenkt wurde, wo hingegen die Zustände in der Sklavengesellschaft der Antike noch als das goldene Zeitalter der Ausbeutung gelten können. Denn dort waren die Herren noch verpflichtet, Sklaven wenigstens durchzufüttern, wenn sie einmal nicht gebraucht wurden und sie waren ebenso in der Regel zu wertvoll, um sie durch Nachlässigkeit sterben oder krank werden zu lassen. Solche Mildtätigkeit dürfen die Gastsklaven, formal Gastarbeiter, aber eigentlich Sklaven auf Zeit, nicht mehr erwarten. Ob sie mit Almosen abgespeist werden in Form von Billiglöhnen oder auch nicht, ist von der Willkür der Herrscher abhängig. Solange man sie braucht, haben sie kein Recht das Land zu verlassen oder den Arbeitgeber zu wechseln, wenn man sie nicht mehr braucht, setzt man sie mit einem Tritt vor die Tür. Ihre Erkrankung oder ihren Tot nimmt man billigend in Kauf, einfache Maßnahmen wie Bauvorschriften, die keine Unkosten verursachen würden, sind sie nicht wert. Wie viele Bauarbeitern in der Hitze oder durch miserable Sicherheitsvorkehrungen ums Leben kamen ist unbekannt, auch wenn in westlichen Zeitungen Zahlen bis zu 15000 Toten kursieren - umgekommene Gastsklaven sind den Kataris einfach keine Statistik wert. Spätere Forderungen von Human Rights Watch und Amnesty International doch wenigstens einen Entschädigungsfond für nicht oder kaum bezahlte Arbeiter sowie für die Hinterbliebenen der Baustellentoten einzurichten, wurden dementsprechend abgelehnt, wo es keine Statistiken gibt, gibt es auch keine Opfer. Der katarische Arbeitsminister nannte die Forderungen einen Werbegag und insistierte folgerichtig: „Wo sind die Opfer? Haben Sie die Namen?“[2] Die Fifa wollte von Berufs wegen kein Spielverderber sein, und hatte keine Bedingungen gestellt oder Maßnahmen wie Arbeitsschutz und angemessene Bezahlung gefordert; westliche Konzerne, die am Bau beteiligt waren, waren sicherlich ebenso dankbar dafür wie Katar.

Überhaupt hat weder die Stationierung einer US-Basis, noch der von Katar großangelegte Verflechtungsversuch mit Weltökonomie und der Gemeinschaft der Nationen zu irgendwelchen nennenswerten humanitären oder zivilisatorischen Zugeständnissen geführt. Die gekaufte Einbeziehung in die Weltgemeinschaft verträgt sich Bestens mit der Unterstützung islamischer Terrorgruppen, mittelalterlicher Herrschaftsverhältnisse inmitten von High-Tech-Städten und überbordenden Luxus oder vielmehr, was die Herrscherklasse dafür hält. Dazu kommt die Installation des weltweit frei zu empfangenden Medienimperiums Al-Jazeera, dessen Newsfassade nur unschwer den eigentlich Zweck seiner Gründung kaschieren kann, nämlich die Dämonisierung des jüdischen Staates durch die Instrumentalisierung eines Pseudo-Journalismus als Quelle objektiver Berichterstattung, um Israels Terrorisierung und erwünschte Vernichtung als humanitären Akt entschuldigen zu können. Al-Jazeera liefert so die politische Reputation Katars für die islamische und für die Dritte Welt. Sportswashing hingegen ist das glanzvollste, weil viel beachteste Instrument, die Reputation Katars und die Macht des Herrscherclans zu sichern und auszubauen. Wirkungsvoller sind hingegen die politischen und wirtschaftlichen Verflechtungsbemühungen, um systemrelevant zu werden. Katar etabliert sich als News- und Logistikprovider - die Voraussetzung des Sportswashing sind - , geriert sich als changierender Mittler zwischen Ost- und West, Voraussetzung hier: Unterstützung islamischer Terrorgruppen und ihrer Gegner, dem Westen; und tritt als Großinvestor auf, indem es seine Gas- und Ölrenten in Unternehmensanteile steckt; und verspricht zudem Reformen, um seinen, westlichen Geschäftspartnern vorzugaukeln, dass sie ihr mittelalterliches Menschen- und Gesellschaftsbild in eine goldene Zukunft der Humanität überführen wollen. Das lässt sich Katar eine Menge Geld kosten, gekauft wird alles: eine Armee von Lobbyisten, Politiker und wichtige Funktionäre, um richtiges Abstimmungs- und Wohlverhalten zu fördern, Prominente als laufende Reklameschilder, Staaten durch Investitionsprogramme und Waffenkäufe, Unternehmen durch Aufträge und Anteilskäufe, Fußballvereine, Fans etc. Der Stoff, aus dem die Träume der ewigen Macht sind, soll möglichst dicht gewebt und geschlossen sein, damit keiner merkt, was für ein militärisch machtloser Zwerg sich an den Tisch der Bosse, der ehrenwerten Gesellschaft drängt, um nicht bei nächster passender Gelegenheit von einen von ihnen zum Frühstück verspeist zu werden. Kuwait, die Ukraine und Taiwan, alles Übernahmekandidaten der großen Fische konnten oder können auf die USA und einen großen Teil der Staatengemeinde zählen, wenn es gilt, einmal erreichte Staatlichkeiten und Demokratiebestreben zu verteidigen, denn jeder könnte der nächste sein. Katar höchstwahrscheinlich nicht, insbesondere dann nicht, wenn das Zeitalter fossiler Brennstoffe einmal vorbei sein sollte. Katar hat vor allem den selbst gewählten Nachteil, dass seine die Allgemeinheit garantierenden staatlichen Institutionen nur Charade sind, was jeder weiß und was man von vorher genannten Staaten nicht zu Gänze behaupten kann. So gibt es keine besonderen humanitären Gründe diesen Staat zu retten, sollte ein anderer Staat ihn überfallen, sondern allein die partikularen seiner gekauften Komplizen. Katar setzt deshalb nicht auf Change, nicht mal mehr als Camouflage oder nur sehr selten, sondern auf Anerkennung und Abhängigkeiten von anderen Staaten mit allen legalen und illegalen Mitteln.

Die FIFA – Ein Funktionärsverein mit Monopolstellung als Instrument zur Selbstbereicherung

Katars WM-Ausrichtung wurde von langer Hand schon seit Jahrzehnten geplant. Spionage, Bestechung, Bedrohung und Infiltrierung der FIFA und anderer Akteure waren dazu die Mittel der Wahl. Da die FIFA als korruptester Sportverband der Welt zählt, waren Bestechungsgelder und Postengeschacher aus Katar hochwillkommen, viele Funktionäre beschwerten sich sogar, wenn sie mit Bestechungsgeldern übergangen worden sind oder diese nicht ausreichend waren.[3] Zwischenzeitlich galt die FIFA sogar als unterwandert von Katar, das Ex-CIA-Agenten für diese Mission engagierte.[4] An dieser Stelle wird die Aufklärung über die Machenschaften von Katar und FIFA zum Kolportageroman, der hier nur nacherzählt werden soll, weil es so amüsant ist. [5]

Die politische Macht der Fifa, eigentlich nur ein privater Schweizer Sportverband, erklärt sich aus ihrer Monopolstellung als einziger weltweiter Fußballverband, der alle vier Jahre eine Fußball-Weltmeisterschaft ausrichtet und dem unheimlichen Prestige, welches die Nation als WM-Ausrichter auf politischer Bühne erfährt; denn Fußball bezeichnet die Hälfte der Menschheit als ihren Lieblingssport.[6] Hauptsächlich durch den Verkauf der Übertragungs-, Sponsoring- und Marketingrechte der Männer-WM nimmt die Fifa alle vier Jahre fast 6 Milliarden Dollar ein, wovon sie lediglich 4% der Gewinne in der Schweiz versteuern muss.[7] Ihre Recht setzt sie rigoros durch, da es die Grundlage ihrer Geldmaschine ist.[8]

Die Details dieses Vereins sind eigentlich nicht groß der Rede wert, weil sie wie eine Bande funktioniert, und jeder weiß, wie Banden funktionieren. Die Korruptionsgeschichte der Fifa ist schier endlos, ebenso legendär sind ihre Präsidenten und Generalsekretäre von Havelange über Blatter bis Infantino, die wie Dons den Verein und ihre Mitglieder wie ein Patronage- und Klientelsystem führen, mit einem Führungsstil angepasst ans Zeitgeschehen; der eine als patriarchalischer Strippenzieher im Hintergrund, ein anderer mit den Charakterzügen eines Staubsaugervertreters und Winkeladvokaten, der Letzte eher in der durchgeknallten Version eines Monopol-Hightech-CEOs mit Weltrettungsauftrag.

Nicht die Cosa Nostra, sondern eine andere Familie: Die FIFA-Familie.
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Das Duo Havelange/Blatter hat als erstes erkannt, wie man das Monopol der zunächst amateurhaft geführten FIFA in einen Geldregen verwandelt. Exklusivrechte am Marketing und den Übertragungsrechten der Fußball-WMs ab 1974 hießen die Zauberworte. Coca-Cola und Adidas stiegen kurz darauf als Hauptsponsoren ein. Der Adidas-Miteigentümer Horst Dassler hatte sofort Blut gerochen und gründete das Marketingunternehmen ISL, um die Exklusivrechte als Gesamtpaket von der FIFA zu kaufen und mit hohen Gewinnmargen als Einzelpakete weiterzuverkaufen, dafür wurden hohe Schmiergelder an die Funktionäre gezahlt. Präsident Havelange, Generalsekretär Blatter und Co. wurden zu Multimillionären. Das Geld sprudelte wie verrückt in den Laden, und der trickle down effect des Spätkapitalismus, Geld gegen Loyalität, festigte die Herrschaft über die Mitglieder des Verbandes. Havelange überließ das Tagesgeschäft Blatter und vernachlässigte die größte Gefahr eines Racket Leaders überhaupt, die Übernahme, durch Gewalt oder List, seines zweiten Mannes. Blatter fand unwiderlegbare Beweise über die Bestechungsgelder von ISL an Havelange und erpresste, gesichtswahrend für FIFA und Präsident, den Rückzug Havelanges. Dieser trat nun nicht mehr zur nächsten Wahl 1998 an, die Blatter gewinnen wollte. Leider gab es mit Lennart Johannson einen Gegenkandidaten, der als einigermaßen integer galt und die allermeisten Stimmen der mittlerweile von den Praktiken der FIFA angeekelten Mitglieder hinter sich versammelte und als sicherer Sieger galt. Jetzt lief Blatter erst recht zur Hochform auf, er war in seinem Metier und die Herausforderung nahm er an. Zuerst kaufte der damals noch blasse Bürokrat sich die Unterstützung des Ex-Fußballstars Michel Platini, 1 Mio. Dollar und eine Karriere in der FIFA waren der Preis. Weiter gings. Jetzt mussten die Wähler, also die einzelnen Landesverbände, bzw. ihre Funktionäre überzeugt werden. Da jeder Landesverband, egal ob Brasilien oder Tuvalu, genau eine Stimme besaß, waren die Chancen günstig, die Funktionäre der Dutzenden kleineren Verbände einfach zu kaufen. Diese hatten sich sogar schon teilweise organisiert, bspw. der nord- und mittelamerikanische Verband, um ein Maximum an Bestechungsgelder einzustreichen. Blatter hatte das Geld und nutze es weise. Dazu kam, dass Blatter sich als Rächer der Enterbten aufspielte und den armen Verbänden jede Menge Unterstützungsprogramme und Afrika die erste WM versprach. Johansson war konsterniert als er die Wahl verlor, dabei hatte die Mehrzahl der Verbände ihm doch ihre Stimmen zugesagt.

Blatter perfektionierte den Verein als Geldmaschine mit dem Ziel der Selbstbereicherung. Jeder, der nicht naiv war, wusste nun, dass man eine WM nur ausrichten kann, wenn man viel Geld auf den Tisch legt. Blatters größer Coup war die Doppelvergabe 2018 und 2022. Eine WM sollte in Europa, die andere außerhalb Europas stattfinden. Die perfekten Bewerber, England und USA, die alle Kriterien übererfüllten, blieben auf der Strecke, stattdessen gewann Russland, ohne geeignete Infrastruktur und mit einem immer autoritärer auftretenden Präsidenten, und Katar, ein winziger Wüstenstaat, ohne Fußballtradition, 50 Grad Celsius Sommertemperatur, ohne Stadien und ausreichend Hotels für Mannschaften und Fans. Aber das spielte alles keine Rolle, sie hatten das System der FIFA einfach besser begriffen und keine Institutionen des Rechtsstaats, die ihnen in die Quere kommen konnten. Für die FIFA war Zahltag, danach überschlugen sich die Ereignisse. Eine Whistleblowerin packte über die Bestechungsmethoden Katars aus: demnach wurden Funktionäre kleiner Staaten, besonders aus Afrika und Mittelamerika, mit 1,5 Mio. Dollar abgespeist; Thailand bekam einen Gasdeal; dem Präsidenten Brasiliens, Lula, wurde versprochen, Petrobras zu kaufen; Frankreich war am teuersten: Sarkozy musste Platini zur Räson bringen, der für die USA stimmen wollte, schließlich ging es um die französischen Interessen: Airbus und Rafale bekamen Aufträge aus dem Emirat, Frankreich bekam einen konkurrenzfähigen Verein, denn Katar versprach Paris St. Germain zu kaufen und ordentlich zu investieren, und Platinis Sohn bekam oben drauf einen angemessenen Posten bei einem katarischen Investmentfonds.

Die FIFA war in der ganz großen Politik angekommen, was Blatter langsam größenwahnsinnig werden ließ, er sah seine Organisation auf einer Stufe mit der UNO, er wollte den Frieden im Nahen Osten stiften und den Friedensnobelpreis bekommen, wie ein Mitarbeiter preisgab. Aber das Eis, auf dem sich die FIFA nun bewegte, wurde langsam dünn. Besonders weil der Laden nicht zusammenhielt. Die zweite Reihe der FIFA fiel nun über sich selbst her und brachte den Verein zum implodieren. Und das kam so: Jack Warner, Präsident des nord- und mittelamerikanischen Fußballverbandes und sein Generalsekretär, Chuck Blazer, waren ein geniales Duo, welches den Umsatz ihres Verbandes von 0 auf 40 Mio. steigerten, beide bedienten sich prächtig durch Hinterziehung und Bestechung und wurden Multimillionäre. Sie hielten auch noch 2011 zusammen, als Blatter mal wieder einen Gegenkandidaten bekam, nämlich sein langjähriger Gefolgsmann Bin Hammam. Alle zusammen stellten sie ihm eine Falle, so dass Bin Hammam Bestechung nachgewiesen werden konnte. Dieser trat nicht mehr zur Wahl an, Blatter hatte wieder mal gewonnen. „Blatters Reservoire an Tricks ist unerschöpflich“ musste Bin Hammam eingestehen. Dieser konnte aber gesichtswahrend und ohne Anklage abtreten und Blatter unterließ zukünftig Kritik an Katar, Bin Hammams Heimatland. Deal! Dass Warner sich aber seine Stimme für die Ausrichtung einer WM durch seinen eigenen Verband abkaufen ließ, ging Blazer zu weit. Er steckte den Behörden, dass Warner Bestechungsgelder von Bin Hammam kassierte, dazu kamen Vorwürfe, dass er mindestens 1 Million Dollar für den Weiterverkauf von WM-Tickets einkassierte, die er als Verbandschef erhielt. Warner musste zurücktreten. Mittlerweile war die amerikanische Staatsanwaltschaft aber auch Blazer auf die Schliche gekommen. Blazer war so unklug, keine Steuern zu zahlen, aber im Trump-Tower zu wohnen, einen einträglichen Job bei der FIFA zu haben und etliche Firmen zu besitzen. Das legte die Spur für die Ermittler zu seinen anderen illegalen Machenschaften. Die neu gegründete Ethikkommission der FIFA, die ebenfalls wegen Bestechung gegen Blazer ermittelte, ließ ihn betriebsbedingt vom Haken, das FBI allerdings nicht. Sie entschlüsselte Blazer Firmen- und Offshore-Konten-Geflecht auf den die Bestechungs- und Hinterziehungsgelder von „Mr. 10% Charges“ hin- und her flossen. Sie stellten ihm 100 Jahre Gefängnis in Aussicht oder die Mitarbeit als Informant und sich schuldig zu bekennen für: „racketeering, wire fraud, income tax evasion, and money laundering“. Blazer entschied sich für letzteres. 2013 wurden er und Warner wegen massiven Betrugs angeklagt, 2014 wurde Blazers Tätigkeit als Informant bekannt, 2015 wurde das Urteil bekannt gegeben und Blazer von allen FIFA-Posten enthoben. 2015 kam es dann auch zum großen Knall. Die amerikanische Staatsanwaltschaft hatte genug gesehen und gehört, und nahm mehrere FIFA-Funktionäre fest, die sich in den USA aufhielten und sicherte Beweise, so gut es ging.

“The used charges that normally are associated with the mafia or Mexican drug cartels.” (NYT-Reporter)

Der damalige Generalsekretär Valcke war sich sicher, dass die Organisation kollabieren würde. Tat sie aber nicht, warum nicht? Blatter agierte als wäre nichts geschehen, und ließ sich sogar, mit überwältigender Mehrheit, zum fünften Mal als Präsident wählen. Der Druck wurde aber zu groß, und er trat kurz danach zurück. Sein Nachfolger sollte ausgerechnet sein Adjutant Platini werden, ein Neuanfang und Großreinemachen, wie versprochen, sieht eigentlich anders aus. So kam es wie es kam, es tauchte eine Rechnung von Platini an Blatter über 2 Mio. Schweizer Franken aus dem Jahre 2011 auf, also genau aus dem Jahr, in dem Platini überraschend nicht gegen Blatter zur Präsidentenwahl antrat, sondern ihn unterstützte, um in der nächsten Amtszeit ihn zu beerben. Der Neuanfang war ein Zusammenbruch. Beide wurden von der FIFA-Ethik-Kommission gesperrt. Blatter wurde zwar von der Schweizer Bundesanwaltschaft angeklagt, aber nach nur 11 Tagen von allen Vorwürfen freigesprochen.

Blatter: “I have never taken money, I have never ask for money, they gave it [to me].”

Valcke: „If you want tor run the FIFA with the ethics code, good luck. That’s not the real world.”

2021 wurde das Urteil gesprochen, alle Welt erwartete, dass die FIFA, zumindest in der Form und Organisation nicht weiter existieren konnte. Das Urteil fiel aber vollkommen anders aus: Die FIFA wurde von allen Vorwürfen, ein kriminelles Racket zu sein, welches ihr Monopol zur Bereicherung ihrer Mitglieder instrumentalisierte, freigesprochen. Sie war vielmehr ein Opfer krimineller Machenschaften ihrer Mitglieder. Sie bekam eine Millionenentschädigung, Blatter und Platini wurden nicht angeklagt. Für das US Department of Justice bestand die FIFA anscheinend nur aus ihrem Namen und Gebäuden, die kriminellen Strukturen zur Selbstbereicherung, erschaffen von einem Racket, erklärte sie damit für Nichtexistent. Ein paar schwarze Schafe waren für alles verantwortlich. Die FIFA war gerettet. Die USA wurden schließlich der Hauptgastgeber der WM 2026.

Das Racket in der Mitte der Gesellschaft

Der Sozialphilosoph Max Horkheimer schrieb einmal, dass die Grundform aller Herrschaft das Racket ist. Ein Racket ist eine Gruppe von Menschen, die einmal errungene Privilegien zum Nachteil der gesamten Gesellschaft monopolisiert; dabei muss es sich verhärten, um diese Privilegien zu sichern. Das Racket muss Härte nach unten, den Nicht-Privilegierten, gegenüber zeigen, und sich zugleich selbst, durch Erziehung, verhärten, die die Brechung der Persönlichkeit und die Unterwerfung unter das Kollektivinteresse sichert. Grundsätzlich sei dieses Schema in jeglichem historischen Produktionsverhältnis auffindbar. War das Racket einst auf rein physischer Stärke gegründet, so setzt es sich auch in moderneren Gesellschaftsformationen mit steigender Arbeitsteilung durch, indem es die wichtigsten Positionen gesellschaftlich relevanter Funktionen okkupiert. Im Kapitalverhältnis war "das Privateigentum an den Produktionsmitteln [...] die entscheidende Verhärtung einer Funktion, nämlich des Kommandos in der Warenproduktion im Industriezeitalter".[9] Die allgemeinste Kategorie von diesen Gruppen ausgeführten Funktionen ist allerdings der Schutz. Das Racketeering drängt ins Bewusstsein vor allem, wenn es illegale Formen annimmt, die staatlich monopolisierte Funktionen übernehmen, wie bspw. die Schutzgelderpressung durch die Mafia. Rackets haben ein taktisches Verhältnis zueinander, sie können sich bekriegen, ignorieren oder friedlich koexistieren, einig sind sie sich in der Abwehr nach unten. Allein im Zeitalter des liberalen Kapitalverhältnisses hatte die Verhärtung der Herrschaft milderer, humanere Züge angenommen als üblich, weil ein bestimmter Teil des Rackets aus ökonomischen Gründen nicht ohne verbindliche Eigenschaften sein durfte.

Von diesen milderen Umständen in Form allgemein gültiger Gesetze zehren die Metropolen des Kapitalverhältnisses durch allgemeingültige Gesetze noch heute, die sich aber anschicken, in Zeiten des Spätkapitalismus zu ausgehöhlten Identitätsmerkmalen zu werden.

Katar steht für die Avantgarde staatlicher Rackets im Spätkapitalismus, deren Vorteilnahme sich ganz anachronistisch wieder allein auf die erste Natur beruft und ohne die nackte Herrschaft mildernde Umstände, wie allgemein verbindliche Gesetze und Institutionen, auskommt und von der Peripherie in die Zentren der Kapitalakkumulation drängt. Einerseits, weil die Monopolisierung des Privilegs, instrumentalisiert durch die Verstaatlichung, keine oder kaum auf die erarbeitete Steigerung der Produktivkraft und die einhergehende Disziplinierung durch Akkumulation durch das Kapital zurückzuführen ist. Es sich also um eine klassische Aneignung, die auf physische Stärke zurückgeht und glücklicher Umstände, handelt. Andererseits, weil dies die umständliche Milderung der Verhärtung durch humanere Züge ausspart. Die Abhängigkeit vor allem der gleichzeitig allzeit zahlungsfähigen hochindustrialisierten, computerisierten Ersten Welt von den fossilen Brennstoffen Öl und Gas ist der Schlüssel für die Verflechtung der Rackets von gestern mit denen von heute, mit dem Ergebnis, der Normalisierung und Vermischung dieser beiden Typen zu den Rackets von morgen. Katar steht dabei für das Eindringen, der alten, ehemals in die Illegalität abgedrängten, Rackets der Peripherie in die Mitte der milderen Rackets des Kapitalverhältnisses. Das Sportswhashing ist vor allem dazu da, die Schlösser der Türen zu ölen, durch die Katar in die Festung der Nationen einzutreten wünscht, die ihre Herrschaft bis in alle Zeiten sichern soll.

Die FIFA hingegen ist eine ehemals ephemere Organisation, die sich einst darin erschöpfte Fußball-Weltmeisterschaften zu organisieren, die aber gezielt zu einem Racket der Selbstbereicherung ausgebaut wurde, nachdem einigen Glücksrittern klar wurde, auf welchen monopolisierten Schatz sie eigentlich sitzt. Die Unterwanderung einer Organisation, die einen wichtigen Zweig der Unterhaltungsindustrie monopolisiert hat, und deren Umbau in ein Racket der hochkommerzialisierten Ausbeutung des Monopols mit der Ziel der Selbstbereicherung der Funktionäre ist typisch für das Racket des Spätkapitalismus in der Ersten Welt, wo sich Legalität und Illegalität langsam zu vermischen beginnen. Allerdings muss der Schein der Legalität unbedingt aufrechterhalten werden, weil Illegalität immer noch ihr Ende bedeuten könnte. Legalität und Illegalität trennt aber bereits nur noch eine schmale Grenze: gegen überhöhte aber gesatzte Gehälter der Topfunktionäre wäre kaum etwas einzuwenden, außer dass es einee öffentlichen moralischen Bankrotterklärung gleichkäme. Blatter hat nie um eine Gehaltserhöhung gebeten, wie er selbst aussagte. Die Selbstbereicherung wurde in die Illegalität verschoben, Bestechung und Korruption, um die Erlangung von Posten sowie um das rare Gut der Ausrichtung einer Weltmeisterschaft sicherten die Monopol-Einkünfte für die Funktionäre, die über die legale Form von überhöhten Gehältern nicht zu realisieren wäre. Die Form der Selbstbereicherung verwandelte die FIFA in ein illegales Racket mit legaler Fassade. Ihre konsequente Auflösung, die bspw. bei gleicher Faktenlage ein Mafiaracket erfahren hätte, blieb der FIFA allerdings erspart, weil sie einfach den Ankläger auch gekauft hat und ihre Existenz und Organisationsmonopol mittlerweile für eines der weltweit beliebtestes Unterhaltungsprodukte unverzichtbar geworden ist. Und zwar nicht nur als Unterhaltungsprodukt, sondern als mächtiges Propagandaspektakel, welches einen Schurkenstaat den Weg zu einem respektierten Mitglied der sogenannten Weltgemeinschaft ebnen kann.

Die Vergabe der Fußball-WM an Katar ist nicht nur ein anschauliches Beispiel wie Rackets, Katar als staatliches und die FIFA als scheinlegale Sportorganisation, zusammenkommen, und wie sie mit illegalen Methoden interagieren und voneinander profitieren, sondern auch wie sie Welt ein kleines Stück verändern, indem sie die ganze Sportwelt korrumpieren sowie die politische Landschaft, noch geprägt durch die Überreste der liberale Ära des politischen Überbaus des Kapitalverhältnisses, verändern, vielmehr zunehmend moralisch verwüsten. Gelingen, konnte ihnen das nur, weil selbst dieser Überbau, alle Staaten nur verkleidete Rackets sind, deren Bemäntelung langsam verschlissen ist. Die Nonchalance der US-Justiz, mit der das Verfahren gegen die FIFA eingestellt und nur Einzelne als Sündenböcke aus der zweiten Reihe belangt wurden, ist bereits ein Menetekel auf welche Zustände sich die internationale politische Landschaft zubewegt. Wahrscheinlich in Richtung heutiges Russland, indem das Racketsystem offen gewaltsam in gegenseitiger Abhängigkeit der Mitglieder koexistiert und vom Racket mit dem größten Knüppel, dem Staatsapparat kontrolliert, wird. Zusammen sitzen sie auf ihren Monopolen und beuten den Rest unmittelbar aus, bombardieren es mit Propaganda und werfen ihnen gelegentlich Sportereignissen vor die Füße. Die Logik der Rackets der ersten Natur ließ die Hoffnung zu, dass das gegenseitige Belauern irgendwann zum großen Knall führt, und damit neue günstigeren Konstellationen für die Allgemeinheit entstehen könnten. Diese Hoffnung ergibt in der zweiten Natur keinen Sinn mehr. Der große Knall würde vielmehr zum Atomtod der Menschheit führen, wahrscheinlicher ist die Verewigung der ersten in der zweiten Natur, als die Hölle hier auf Erden, aber immerhin mit Fußballweltmeisterschaft.

 

[1] Auclaire in ZDF Reportage "Geheimsache Katar": https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzeit/zdfzeit-geheimsache-katar-100.html

[2] https://www.sport1.de/news/fussball/wm/2022/11/katar-lehnt-entschadigungsfonds-fur-arbeiter-ab

[3] https://taz.de/!5133827/

[4] https://apnews.com/article/soccer-sports-business-migration-middle-east-d9716b62fc69ab88beb3553d402da7d1

[5] Die nachfolgenden Abschnitte sind hauptsächlich der sehenswerten Netflix-Doku: FIFA Uncovered entnommen und mit ein paar allgemein bekannten Fakten aus Wikipedia ergänzt..

[6] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/387554/umfrage/anzahl-der-sportfans-weltweit/

[7] https://de.wikipedia.org/wiki/FIFA

[8] Ebd.

[9] Horkheimer Bd.12, S.289.

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